Schwerpunkt: Die Führung einer offenen Eingangsstufe in den Jahrgängen 1 und 2 und die Weiterführung der Pädagogik in den Jahrgängen 3 und 4 durch eine offene Methodenpädagogik!


Wichtige Auszüge aus dem pädagogischen Konzept der Eingangsstufe der GS Kluse:


Vorbemerkungen
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann,
so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“
Marie von Ebner – Eschenbach


Den Kindern eigene Erfolge ermöglichen und Kindern Selbstvertrauen und Selbstachtung geben soll inner-halb der Eingangsstufe die Motivation und das Lernen prägen.


Inhalt
1. Grundsätze
Niedersächsisches Schulgesetz:
„Grundschulen können den 1. und 2. Schuljahrgang als pädagogische Einheit führen (Eingangsstufe), die von einzelnen Schülerinnen und Schülern auch in einem oder drei Schuljahren durchlaufen werden kann. In der Eingangsstufe werden die Kinder des 1. und 2. Schuljahrgangs in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen un-terrichtet. An Grundschulen mit einer Eingangsstufe wird kein Schulkindergarten geführt.“
(MK Nds.: Erlass „Die Arbeit in der Grundschule vom 03.02.2004)
Hieraus ergeben sich folgende Grundsätze:
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° Jedes Kind bekommt so viel Zeit zum Lernen, wie es braucht: eine individuelle Verweildauer von
einem bis drei Schuljahren möglich.
° Alle schulpflichtigen Kinder werden aufgenommen. Eine Zurückstellung oder Ausschulung
gibt es nicht.
° Auch jüngere Kinder können nach Überprüfung der Umstände aufgenommen werden.
° Es gibt kein Lernen im Gleichschritt: Jedem Kind wird sein eigenes Lerntempo zugestanden,
das beim Einzelnen nicht zu jeder Zeit gleich ist.
° In jedem Jahr verlassen Kinder, die die geforderten Kompetenzen der Eingangsstufe erreicht haben,
die Gruppe, um ins dritte Schuljahr zu gehen, im Idealfall etwa in halber Gruppenstärke.
° In jedem Jahr kommen neue Lernanfänger in die Gruppe.
° Die Kinder, die in der Gruppe geblieben sind, führen die neuen Schüler/-Innen ins Schul- und
Klassen leben ein, helfen ihnen und unterstützen sie bei ihrer Arbeit.
° Wer in einem oder mehreren Fächern mit den älteren Schüler/-Innen zusammen lernen kann, kann
dies tun, wann immer sie oder er so weit ist.
° Wer auf einem oder mehreren Gebieten Wiederholung und Übung älterer Lerninhalte benötigt, kann
dies zusammen mit den jüngeren Gruppenmitgliedern tun, wann immer es nötig ist.
° Wir LehrerInnen verstehen uns als OrganisatorInnen von Lern- und Lehrprozessen.
Unser Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit und die Leistungsfreude jedes Kindes durch individuelle Lern-
angebote zu stärken.


Pädagogische Begründungen


Die Grundschule muss pädagogisch und strukturell auf die Veränderungen bezüglich der zunehmenden He-terogenität der zur Einschulung anstehenden Kinder reagieren. Einschulungsalter, Erfahrungen, bereits er-worbene Kompetenzen, soziokulturelle und ökonomische Herkunft sind bei den Einschulungskindern ver-schieden. Zudem lernen Kinder unterschiedlich schnell, viel und auf verschiedenen Wegen. Sie sollen in der Lage sein, sich sprachlich zu verständigen. Ein altersgemäßer Wortschatz ist dafür Voraussetzung. Damit die ersten Wochen gelingen sollen die Kinder vereinbarte Regeln befolgen können, eigene Interessen verfolgen und andererseits auch zurückstellen können, wenn es um das allgemeine Wohl geht.
Sich in die neue Umgebung einzufinden, auf zunächst fremde Lehrerinnen zuzugehen, feinmotorische Fertig-keiten zu erlangen sowie Konzentrationsfähigkeit und Zahlenverständis und Vieles mehr sind notwendig, da-mit der Schulstart gelingt.
Wir sehen die Chancen zur Einlösung dieser Erwartungen und Forderungen in der jahrgangsgemischten Ein-gangsstufe. Hier können die Ansprüche der Differenzierung und Individualisierung eingelöst werden. Hierzu gehören sowohl die Förderung bei Entwicklungsstörungen wie auch die Förderung von besonderen Begabun-gen. Unterstützend steht die Lehrkraft den SchülerInnen beim eigenständigen Entwickeln ihrer persönlichen Lern- und Arbeitsprozesse zur Seite. Die Kinder werden an das selbst gesteuerte Lernen herangeführt und sollen ihren Arbeitsprozess zunehmend eigenständig organisieren. Die Kerncurricula mit ihren formulierten Kompetenzen bieten hierbei Orientierung.
Dadurch, dass die Kinder in ein System eintreten, das bereits arbeitet entspannt sich die Situation in den ersten Einschulungswochen. Ein positives Sozialklima entwickelt sich. So werden die jüngeren Kinder durch den höheren Entwicklungsstand der älteren MitschülerInnen angeregt. Aber auch für die älteren Kinder ist das Wiederholen, Weitergeben und Vertiefen des erst vor kurzem Gelernten ein Lernanreiz. Leistungsstarke Kinder können bereits die Unterrichtsziele der Jahrgangsstufe 2 anstreben.
Hauptanliegen der Eingangsstufe ist aber Entwicklungsrückstände einzelner Kinder zu kompensieren, durch die Verweildauer von bis zu drei Jahren. Dies Verweilen hat sich als unproblematisch erwiesen, da die ge-wohnte Sozialstruktur weitgehend beibehalten wird.


Das soziale Lernen in der jahrgangsgemischten Eingangsstufe
Durch den Zusammenschluss zweier Jahrgangsstufen in einer Klasse wird versucht, den negativen Seiten des Konkurrenzdenkens entgegenzuwirken. Es fällt den SchülerInnen leichter, unterschiedliche Leistungsfähig-keit anzuerkennen, weil sie häufig aufgrund der Altersunterschiede auf der Hand liegt. Dieses Anerkennen überträgt sich dann auf die gleichaltrigen Mitschüler.
6.
Die individualisierte Form des Unterrichts stellt aber auch sicher, dass die Kinder nicht in ihrem Lerneifer ausgebremst werden. Der Umgang der Kinder miteinander und das Verhalten der Lehrperson beeinflussen die Atmosphäre der Klassengemeinschaft. Es entsteht ein Lernklima, in dem Fehlermachen und gegenseitiges Korrigieren selbstverständlich sind.
Wenn die Lehrperson jedes Kind unabhängig vom Leistungsvermögen akzeptiert, überträgt sich dies Verhal-ten auf die Kinder untereinander. Wenn ein Kind jederzeit fragen und ihm geholfen werden darf und das Helfen ohne Vorwurf geschieht, dann wird sich jedes Kind angenommen fühlen, jedes andere annehmen, so dass ein offenes Lernklima entsteht. Aus dem gemeinsamen Arbeiten, Spielen, Feiern und Reden erwächst auch der Wille gemeinsam Probleme anzugehen und zu bewältigen.
Das Gelingen des Konzepts hängt von der Bereitschaft aller daran Mitwirkenden ab. Sie müssen bereit sein, diese Maßnahmen mit zu tragen und mit Leben zu füllen. Die Bereitschaft zur Kooperation ist dringend not-wendig und kann zur Intensivierung und Bereicherung des Miteinanders führen